Konferenzprogramm

Was passiert an der Build Peace-Konferenz 2022? Informiert euch hier über die Kernthemen, den Ablauf und den Inhalt. Die Konferenz findet vom 4. bis 6. November 2022 in Chemnitz, Deutschland, statt.

Ungesehenes Sichtbar Machen

Das Thema “Ungesehenes Sichtbar Machen”  befasst sich mit den weniger sichtbaren Seiten der digitalen und physischen Gesellschaft. Diese werden wegen dominanten Erzählungen während Konflikten oft übersehen. Um sich mit Ungesehenem zu beschäftigen müssen Machtstrukturen aktiv infrage gestellt werden. Was ist unsichtbar für wen, für welche Strukturen, für welche Individuen? Es geht aber auch darum herauszufinden wo Unsichtbarer gedeiht. Wo findet Transformation statt, wo andere vielleicht nicht hinschauen? Wie formt sich eine Bewegung außerhalb der vorherrschenden Narrative? Welche Beziehungen machen sich neue und innovative Kräfte zunutze?

Unsere Online- und Offline-Realitäten sind nicht mehr voneinander zu trennen – wir können sie gemeinsam anschauen um zu verstehen, was uns verbindet und was uns trennt. In den Rissen zwischen diesen Antworten entsteht Neues, was uns hilft Beziehungen (wieder) aufzubauen und friedlich aufeinander zu reagieren. Um dies effektiv zu tun, müssen wir gemeinsam verstehen, was unter der Oberfläche liegt. Welches sind die ungesehenen oder zuvor zum Schweigen gebrachten Perspektiven, Geschichten, Menschen und Orte, auf die wir unsere Aufmerksamkeit lenken sollten? Welches Umfeld beeinflusst ihre Geschichte der (Un-)Sichtbarkeit?

Wir laden Euch ein, diese Fragen für drei Unterthemen gemeinsam zu diskutieren und Eure persönlichen Erfahrungen, Geschichten, erprobte und gescheiterte Ideen und Eure Neugierde einzubringen.

Umbrüche

Wie verarbeiten wir individuell und als Gesellschaft tiefgreifende soziale, wirtschaftliche, oder technologische Veränderungen? Solche bedeutenden Momente des Umbruchs haben oft eine unsichtbare Seite. Der Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989 ist ein gutes Beispiel. Die ersten Wahlen und die Freude der Familien, die sich in einem geteilten Land wieder zusammenfinden konnten, sorgten für große Aufmerksamkeit. Gleichzeitig wurde die wirtschaftliche Übernahme durch westdeutsche Eliten in Orten wie Chemnitz nicht ausreichend beachtet.

Dieses Thema untersucht das Unsichtbare vor, während und nach Umbrüchen. Wie können diese zu Spaltungen führen? Wie können sie so aufgearbeitet oder neu gestaltet werden, dass sie es uns erlauben zusammenzukommen, Verantwortung zu übernehmen, und Brüche zu überwinden? Wie können Kunst, Geschichtenerzählen, Gedenken, biografische Arbeit und Festivals genutzt werden, um das Verborgene ans Licht zu bringen?

Die Teilnehmer*innen werden Erfahrungen mit sozialen, wirtschaftlichen und politischen Wendepunkten in Chemnitz, dem momentanen Umbruch in eine nach-pandemische Realität,  und Wendepunkte in den verschiedenen Herkunftsländern der Teilnehmer*innen untersuchen.

Vorherrschaft und Polarisierung

Physische und strukturelle Gewalt, die sich gegen bestimmte Gruppen oder Einzelpersonen richtet – wie die gewalttätigen Ereignisse in Chemnitz im Jahr 2018 – sind oft nur die sichtbare Spitze des gesellschaftlichen Eisbergs. Rassismus und Weiße Vorherrschaft sind in die Geschichte der Gewalt eingebettet, hängen aber auch mit anderen identitätsbasierten Machtsystemen zusammen.

Dieses Thema untersucht die unsichtbaren Dynamiken von Rassismus und wie dieser Verbindungen innerhalb und zwischen gesellschaftlichen Gruppen verunmöglicht. Wie überschneiden sich Polarisierung und Vorherrschaft, und was treibt die Polarisierung zwischen Individuen oder in Institutionen an? Wo und wie entstehen damit verbundene Stereotypen, Normen und Einstellungen, und welche Rolle spielt dabei die Geschichte? Welche Online- und Offline-Strategien funktionieren tatsächlich, um Polarisierung zu bekämpfen und warum? Im deutschen Kontext wird viel über die so genannte “Stille Mitte” debattiert – eine vermeintliche Mehrheit der Gesellschaft, die auch in Gewaltmomenten trotz Aufrufen kein Gesicht zeigt.

Die Teilnehmer:innen sind eingeladen, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen und zu ergründen, was funktioniert, um den vielfältigen Formen der Vorherrschaft wirksam entgegenzutreten und sie abzubauen – und wie sie ihre jeweilige eigene “Stille Mitte” bewegen und motivieren können.

Verbindungsräume

Wo kommen wir zusammen, um eine friedliche Gesellschaft zu gestalten – wo wir uns nicht nur treffen, sondern dauerhaftes Vertrauen und Verantwortung füreinander aufbauen? Die Räume, in denen unsere Beziehungen entstehen, liegen oft im Verborgenen. Es kann der Sportverein sein wo Menschen, die normalerweise nicht miteinander zu tun haben, im Laufe der Zeit spielerisch Verbindungen aufbauen. Es kann das Online-Forum sein, in dem eine differenzierte Debatte möglich wird. Wie können wir solche Räume absichtlich schaffen und aufrechterhalten, um miteinander in Beziehung zu treten? Die Menschlichkeit von allen  (einschließlich Hass- und Gewalttätern) anzuerkennen, ohne dabei zentrale Werte zu vernachlässigen, fordert Friedensarbeit heraus – international und in Chemnitz. Wie können Menschen auf eine Weise zusammengebracht werden, die friedlich und gleichzeitig nicht neutral ist?

Dieses Thema untersucht die Räume, in denen eine Begegnung über verschiedene wahrgenommene Trennlinien hinweg möglich ist – über das demokratische politische Spektrum hinweg, zwischen dem geografischen Zentrum und dem Umland, über Generationen hinweg, und über Opfer und Täter hinweg. Wir beschäftigen uns mit den unsichtbaren Wegen, die es uns möglich machen, uns in unserem täglichen Mikrokosmos gehört und verbunden zu fühlen.

Die Teilnehmer:innen stellen verschiedene Methoden vor  um Räume zu schaffen, welche die unsichtbaren Aspekte sinnvoller Verbindung zum Vorschein bringen.

Detailliertes Konferenzprogramm

Hier findet ihr mehr über das Build Peace 2022 Programm.